„Ich will lieber etwas Neues erfinden“ – Anna Spanlang im Interview zu ihrem Video von Klitcliques „Auto“
Ein Interview von
Benji Agostini

Das Wiener Rapperinnen-Duo Klitclique beschreibt sich selber als „Wiens Antwort auf traurige Boys“ und mit ihrem Song „Auto“behandeln sie genau das: Das liebste Kompensationsmittel dieser Boys. DasMusikvideo dazu kommt von Anna Spanlang und wurde aus YouTube-Clips zusammengeschnitten.Unter welchen Kriterien die Clips ausgewählt wurden, warum sie sechs Jahre langMinistrantin war und warum Maurice von Bilderbuch im Video vorkommt, sagt sie uns im Interview.

 

In deiner Bio steht, dass du als Kind Ministrantin warst.Hast du das freiwillig gemacht oder wurde dir das auferlegt?

Anna Spanlang: Man muss das mit acht Jahren nach der Erstkommunion entscheiden und ich war damals sehr geschockt, dass nicht alle meineFreundinnen auch Ministrantinnen werden wollten. Es war aber schon eine freiwillige Entscheidung, auch weil es Mädchen damals erst erlaubt wurde, zu ministrieren. Das habe ich mit acht natürlich noch nicht verstanden. Ich habe das sechs Jahre lang gemacht, verstehe jetzt aber gar nicht warum und war sehr froh, als es vorbei war.

 

Bist du noch religiös?

Anna: Nein ich bin nicht mehr religiös. Ich will eigentlich aus der Kirche austreten. Ich mache mir aber noch Gedanken zu meiner katholischen Erziehung und womit mich das konfrontiert hat.

 

Beeinflusst dich das auch noch in deiner Arbeit?

Anna: Unbewusst auf jeden Fall, aber nicht aktiv. Ich will nicht immer nur meinen Gemütszustand oder meine Probleme in meine Arbeiten einfließen lassen. Es ist schon OK so etwas zu machen, aber ich will lieber etwas Neues erfinden. Das ist lustiger.

 

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Klitclique?

Anna: Wir haben uns vor ungefähr vier Jahren kennen gelernt, bei einem Musikvideodreh in der einer Wüste bei Los Angeles. Später haben wir dann ein Video für den Song "Maria" gemacht. Und letztes Jahr kam dann das Video zu "Auto".

 

Warum habt ihr euch bei "Auto" für einFound-Footage-Video entschieden?

Anna: Für "Auto" haben wir uns im Studio der beiden getroffen, wo sie mir den Track vorgespielt haben. Sie brauchten für einenAuftritt, der vier Tage später stattfand, ein Video dazu. Es hatte natürlich pragmatische Gründe, dass wir Found-Footage verwenden, weil man in vier Tagen nicht sehr viel drehen kann. Die Idee mit gefundenem Material aus dem Internet zu arbeiten, gab es aber schon vorher. Wir haben uns GTA-Videos in ihrem Studioangesehen und dachten, dass man damit etwas machen kann.

 

Bei einem solchen Video stell ich mir dieUrheberrechtsfrage sehr schwierig vor.

Anna: Die Urheberrechtsfrage war natürlich von Anfang an da.Bei mir viel mehr als bei den beiden. Ursprünglich wollten wir einenAlgorithmus entwickeln lassen, der automatisch Auto-Videos herunterlädt, diese mit dem Track hinterlegt und jedes Mal, wenn das Video von YouTube gelöscht wird, wieder neu hochlädt. Wir haben das leider nicht weitergesponnen, weil es nicht finanzierbar war. Bisher hatten wir aber bei dem aktuellen Video noch keine Probleme mit dem Copyright.

 

Hast du schon öfter mit Found-Footage gearbeitet?

Anna: Es ist nicht meine erste Found-Footage-Arbeit. Ich arbeite gerne mit Material, das schon da ist, weil es einfach so vielgroßartigen Content gibt. Mir macht es auch Spaß, das Material zu suchen.

 

Wie genau gehst du dabei vor?

Anna: Der Laptop stand bei mir in der Küche und wir haben aufYouTube nach Material gesucht. Man bekommt ja auch Vorschläge und so kommt man von Einem zum Nächsten. Mein ganzes Internet war danach voll mit Autowerbung.Natürlich haben wir auch gezielt zum Thema und zu den Lyrics gesucht.

 

Im Video kommt Maurice von Bilderbuch einige Male vor.Denkst du, dass er zu den Auto-Machos gehört, die in dem Video behandelt werden sollen?

Anna: Das Video zu "Maschin" ist so prägnant und ich kann mich noch erinnern, als das erschienen ist und alle empört waren, weil es nicht den österreichischen Musikvideopreis erhalten hat. Wir haben es aber hauptsächlich verwendet, weil die Textzeile "Schieb den Sitz nach vorn", reingepasst hat. Es hat gar nicht so viel mit der Band zu tun, ich mag die auch alle. Die Clips sollten schon den Text unterstützen, aber auch nicht immer. Manchmal werden den Protagonisten auch Worte in den Mund gelegt -zum Beispiel bei dem Sido-Clip -, aber das ist auch oft erst im Schnittprozess entstanden. Es spielt ein bisschen damit, wo es bewusst ist und wo es nichtbewusst ist und es lässt das auch offen. Das kann man sich dann aussuchen.

 

Wie viele Nachrichten von getriggerten Männern habt ihr bekommen?

Anna: Im Internet gab es nicht so viele. Interessanter finde ich Live-Kommentare. Ich habe das Video zu Allerheiligen meinen Verwandtengezeigt und einer meiner Cousins, der in einer Autofirma arbeitet, hat eine bestimmte Handbewegung eines Mannes im Auto erkannt. Für mich war die Bewegung ganz anders aufgeladen, aber er hat sofort erkannt, dass das ein System von diesem neuen Auto ist. Von allen Sachen, die darin vorkamen, wollte er darüber mit mir sprechen.

 

Wie bist du grundsätzlich an die Machart des Videos herangegangen, um die Botschaft des Songs zu transportieren?

Anna: Als ich das Lied zum ersten Mal gehört habe, hatte ichnatürlich Bilder im Kopf. Ich habe mich aber nicht so sehr auf den Textkonzentriert. Der Track steht ja für sich. Aus meiner Sicht ist das schon so ein arges Kunstwerk und dann macht man noch ein Video dazu und das sollte keineKonkurrenz dazu sein. Im Idealfall gehen diese beiden Aspekte eine Symbiose ein. Aber natürlich verändert man mit einem Video die Auslegung eines Songs.Man gibt damit schon etwas vor. Es ist auch ein Balanceakt. Man fragt sich: Wieviel hält der Track noch aus? Bei “Auto” hat es irgendwie funktioniert.  

Das Wiener Rapperinnen-Duo Klitclique beschreibt sich selber als „Wiens Antwort auf traurige Boys“ und mit ihrem Song „Auto“behandeln sie genau das: Das liebste Kompensationsmittel dieser Boys. DasMusikvideo dazu kommt von Anna Spanlang und wurde aus YouTube-Clips zusammengeschnitten.Unter welchen Kriterien die Clips ausgewählt wurden, warum sie sechs Jahre langMinistrantin war und warum Maurice von Bilderbuch im Video vorkommt, sagt sie uns im Interview.

 

In deiner Bio steht, dass du als Kind Ministrantin warst.Hast du das freiwillig gemacht oder wurde dir das auferlegt?

Anna Spanlang: Man muss das mit acht Jahren nach der Erstkommunion entscheiden und ich war damals sehr geschockt, dass nicht alle meineFreundinnen auch Ministrantinnen werden wollten. Es war aber schon eine freiwillige Entscheidung, auch weil es Mädchen damals erst erlaubt wurde, zu ministrieren. Das habe ich mit acht natürlich noch nicht verstanden. Ich habe das sechs Jahre lang gemacht, verstehe jetzt aber gar nicht warum und war sehr froh, als es vorbei war.

 

Bist du noch religiös?

Anna: Nein ich bin nicht mehr religiös. Ich will eigentlich aus der Kirche austreten. Ich mache mir aber noch Gedanken zu meiner katholischen Erziehung und womit mich das konfrontiert hat.

 

Beeinflusst dich das auch noch in deiner Arbeit?

Anna: Unbewusst auf jeden Fall, aber nicht aktiv. Ich will nicht immer nur meinen Gemütszustand oder meine Probleme in meine Arbeiten einfließen lassen. Es ist schon OK so etwas zu machen, aber ich will lieber etwas Neues erfinden. Das ist lustiger.

 

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Klitclique?

Anna: Wir haben uns vor ungefähr vier Jahren kennen gelernt, bei einem Musikvideodreh in der einer Wüste bei Los Angeles. Später haben wir dann ein Video für den Song "Maria" gemacht. Und letztes Jahr kam dann das Video zu "Auto".

 

Warum habt ihr euch bei "Auto" für einFound-Footage-Video entschieden?

Anna: Für "Auto" haben wir uns im Studio der beiden getroffen, wo sie mir den Track vorgespielt haben. Sie brauchten für einenAuftritt, der vier Tage später stattfand, ein Video dazu. Es hatte natürlich pragmatische Gründe, dass wir Found-Footage verwenden, weil man in vier Tagen nicht sehr viel drehen kann. Die Idee mit gefundenem Material aus dem Internet zu arbeiten, gab es aber schon vorher. Wir haben uns GTA-Videos in ihrem Studioangesehen und dachten, dass man damit etwas machen kann.

 

Bei einem solchen Video stell ich mir dieUrheberrechtsfrage sehr schwierig vor.

Anna: Die Urheberrechtsfrage war natürlich von Anfang an da.Bei mir viel mehr als bei den beiden. Ursprünglich wollten wir einenAlgorithmus entwickeln lassen, der automatisch Auto-Videos herunterlädt, diese mit dem Track hinterlegt und jedes Mal, wenn das Video von YouTube gelöscht wird, wieder neu hochlädt. Wir haben das leider nicht weitergesponnen, weil es nicht finanzierbar war. Bisher hatten wir aber bei dem aktuellen Video noch keine Probleme mit dem Copyright.

 

Hast du schon öfter mit Found-Footage gearbeitet?

Anna: Es ist nicht meine erste Found-Footage-Arbeit. Ich arbeite gerne mit Material, das schon da ist, weil es einfach so vielgroßartigen Content gibt. Mir macht es auch Spaß, das Material zu suchen.

 

Wie genau gehst du dabei vor?

Anna: Der Laptop stand bei mir in der Küche und wir haben aufYouTube nach Material gesucht. Man bekommt ja auch Vorschläge und so kommt man von Einem zum Nächsten. Mein ganzes Internet war danach voll mit Autowerbung.Natürlich haben wir auch gezielt zum Thema und zu den Lyrics gesucht.

 

Im Video kommt Maurice von Bilderbuch einige Male vor.Denkst du, dass er zu den Auto-Machos gehört, die in dem Video behandelt werden sollen?

Anna: Das Video zu "Maschin" ist so prägnant und ich kann mich noch erinnern, als das erschienen ist und alle empört waren, weil es nicht den österreichischen Musikvideopreis erhalten hat. Wir haben es aber hauptsächlich verwendet, weil die Textzeile "Schieb den Sitz nach vorn", reingepasst hat. Es hat gar nicht so viel mit der Band zu tun, ich mag die auch alle. Die Clips sollten schon den Text unterstützen, aber auch nicht immer. Manchmal werden den Protagonisten auch Worte in den Mund gelegt -zum Beispiel bei dem Sido-Clip -, aber das ist auch oft erst im Schnittprozess entstanden. Es spielt ein bisschen damit, wo es bewusst ist und wo es nichtbewusst ist und es lässt das auch offen. Das kann man sich dann aussuchen.

 

Wie viele Nachrichten von getriggerten Männern habt ihr bekommen?

Anna: Im Internet gab es nicht so viele. Interessanter finde ich Live-Kommentare. Ich habe das Video zu Allerheiligen meinen Verwandtengezeigt und einer meiner Cousins, der in einer Autofirma arbeitet, hat eine bestimmte Handbewegung eines Mannes im Auto erkannt. Für mich war die Bewegung ganz anders aufgeladen, aber er hat sofort erkannt, dass das ein System von diesem neuen Auto ist. Von allen Sachen, die darin vorkamen, wollte er darüber mit mir sprechen.

 

Wie bist du grundsätzlich an die Machart des Videos herangegangen, um die Botschaft des Songs zu transportieren?

Anna: Als ich das Lied zum ersten Mal gehört habe, hatte ichnatürlich Bilder im Kopf. Ich habe mich aber nicht so sehr auf den Textkonzentriert. Der Track steht ja für sich. Aus meiner Sicht ist das schon so ein arges Kunstwerk und dann macht man noch ein Video dazu und das sollte keineKonkurrenz dazu sein. Im Idealfall gehen diese beiden Aspekte eine Symbiose ein. Aber natürlich verändert man mit einem Video die Auslegung eines Songs.Man gibt damit schon etwas vor. Es ist auch ein Balanceakt. Man fragt sich: Wieviel hält der Track noch aus? Bei “Auto” hat es irgendwie funktioniert.  

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