Foto von Katharina Kubin
„Das merkt man sofort, wenn etwas inszeniert worden wäre“ – Nicola von Leffern und Jakob Carl Sauer zu ihrem Video von HVOBs „Bloom“
Ein Interview von
Benji Agostini

Jugendliche auf Rollerskates in Österreich zu sehen,bringt höchstens ein paar Grantler dazu, ihnen etwas nachzuschreien. In Uganda,einem der ärmsten Länder der Welt, ist es verboten zu skaten und doch kann manGruppen von Skatern finden, die sich über das Gesetz hinwegsetzen. Nicola vonLeffern und Jakob Carl Sauer haben für den HVOB Song „Bloom (Fink Remix)“ dieseJugendlichen in Ugandas Hauptstadt Kampala mit ihrer Kamera begleitet. ImInterview erzählen sie, warum skaten verboten ist, wie sie auf das Themagestoßen sind und welche Schwierigkeiten sie dabei hatten, die Skater im chaotischenVerkehr Kampalas einzuholen.

 

Das Video wirkt sehr dokumentarisch, war es immer alsMusikvideo geplant?

Nicola von Leffern: Nein, der Drehhat schon drei Jahre zuvor unabhängig von dem Musikvideo als Projekt von Jakobund mir stattgefunden. Eigentlich arbeiten wir auch weiter an der Doku, nurkann man ja derzeit nicht nach Uganda reisen und dadurch ist es jetzt etwasausgebremst. Wir waren uns lange nicht sicher, wie wir das Materialveröffentlichen sollen, bis HVOB mit dem total schönen Fink-Remix zu uns kamen,weil sie ein Video dafür brauchten. Erst haben wir mit uns gerungen, weil esmanchmal "unwürdig" ist, Sachen als Musikvideo zu veröffentlichen.Weil es Leute es nicht mehr als Film wahrnehmen. Auf der anderen Seite habenMusikvideos die Chance, ein ganz anderes Publikum zu erreichen.

 

Jakob Carl Sauer: Es ist auf jeden Fall von Vorteil, wenn man solcheInhalte über die Musik transportieren kann. Es ist natürlich auch schwierig,weil man - böse gesagt - das Video nicht mit Musik zuklatschen will. Da einenHybrid aus Gesprochenem und Musik zu finden, ist gar keine so leichte Aufgabe.

 

Wie seid ihr auf das Thema der skatenden Teenager inUganda gestoßen?

Nicola: Wir waren drei Wochen lang für eine Auftragsarbeit dort undhatten daher auch das Equipment dabei. Als das Projekt vorbei war, haben wir dieSkater auf der Straße gesehen. Wir fanden es irre, was die machen und dachtenuns, dass wir mit ihnen drehen müssen. Wir wollten also mit ihnen reden,konnten sie aber nicht einholen, weil der Verkehr dort so chaotisch ist und siesich überall durchschlängeln können. Wenn es bergauf geht hängen sie sich anAutos an und wenn es bergab geht, brausen sie an allen anderen vorbei. Wirsaßen im Auto im Stau und hatten keine Chance, sie einzuholen. Wir haben danneinen Tipp bekommen, dass die Skater manchmal bei einen bestimmten Beach-Clubvorbeikommen. Irgendwann haben wir Glück gehabt und einen dort kennengelernt. Erhat sich mit uns ausgemacht, dass wir uns am nächsten Tag an einem bestimmtenOrt treffen. Wir wussten nicht, ob wirklich jemand kommt. Letztlich kamen 15dieser Skater.

 

Jakob: Wir waren noch dazu ziemlich im Zeitstress. Zwei Tagespäter ging unser Flieger und wir haben das ganze Video innerhalb dieser zweiTage gedreht.

 

Am Anfang des Videos wird erwähnt, dass es in Ugandaverboten ist zu skaten. Geht es da um das Skaten allgemein oder dass sie sichnicht an den Autos festhalten dürfen?

Nicola: Es geht um Streetskating generell. Sie dürfen anbestimmten Orten skaten, aber auf der Straße nicht. Es gab oder gibt vieleProbleme mit Diebstählen, weil sich die Skater besser durch den Verkehrschlängeln können. Also hat die Polizei es pauschal verboten. Die Skater, mitdenen wir zusammengearbeitet haben, haben aber eine Nische gefunden, indem siePromotion-Arbeit für große Firmen machen. Zum Beispiel gibt ihnen einGetränkehersteller ein T-Shirt und sie fahren damit auf der Straße ihreFiguren. Wenn die Polizei dann aufhalten würde, können sie sagen, sie arbeitenfür diese Firma und erhalten dadurch eine Erlaubnis.

 

Also verdienen sie ihren Lebensunterhalt mit skaten?

Nicola: Genau. Skaten ist dort immer noch sehr unbekannt. DieSkates werden auch aus Übersee hergebracht, weil man sie dort nicht kaufenkann. Darum wird es auch so gerne als Promotion verwendet, weil es einHingucker ist.

 

Wie haben die Leute auf der Straße reagiert, als ihrgedreht habt?

Jakob: Es war lustig zu sehen, wie es eine Attraktion fürandere war. Wir haben versucht, die Reaktionen zu filmen, aber das war schonsehr schwierig. Am Schluss haben wir noch versucht, etwas zu stagen, aber dashat es dann nicht in das Video geschafft. Das merkt man sofort, wenn etwasinszeniert worden wäre.

 

Das heißt auch das, was der Protagonist im Video erzähltist nicht gescripted?

Nicola: Nein es ist wirklich durch und durch dokumentarisch. Eswirkt nicht mehr so, weil es jetzt auch ein Musikvideo ist, aber es ist allesecht.

 

Gab es einen Grund, warum in der Skategruppe nur Männerdabei waren?

Nicola: Das Video ist ja recht knapp entstanden und wir haben in der kurzen Zeitleider keine Frau gefunden. Wenn wir weiter daran arbeiten, ist es uns wichtig,auch Frauen zu inkludieren, aber es ist doch Uganda. Das Gesellschaftsmodellist viel klassischer als bei uns. Man muss sich das auch in dem Kontextvorstellen, dass alles, was die Skater machen, ultra ungewöhnlich dort ist. AlsFrau ist das dann noch extra ungewöhnlich. Aber wir wissen mittlerweile voneiner Frau, die auch skatet, mit der wir auch noch drehen möchten.

 

Danke für das Gespräch!

Jugendliche auf Rollerskates in Österreich zu sehen,bringt höchstens ein paar Grantler dazu, ihnen etwas nachzuschreien. In Uganda,einem der ärmsten Länder der Welt, ist es verboten zu skaten und doch kann manGruppen von Skatern finden, die sich über das Gesetz hinwegsetzen. Nicola vonLeffern und Jakob Carl Sauer haben für den HVOB Song „Bloom (Fink Remix)“ dieseJugendlichen in Ugandas Hauptstadt Kampala mit ihrer Kamera begleitet. ImInterview erzählen sie, warum skaten verboten ist, wie sie auf das Themagestoßen sind und welche Schwierigkeiten sie dabei hatten, die Skater im chaotischenVerkehr Kampalas einzuholen.

 

Das Video wirkt sehr dokumentarisch, war es immer alsMusikvideo geplant?

Nicola von Leffern: Nein, der Drehhat schon drei Jahre zuvor unabhängig von dem Musikvideo als Projekt von Jakobund mir stattgefunden. Eigentlich arbeiten wir auch weiter an der Doku, nurkann man ja derzeit nicht nach Uganda reisen und dadurch ist es jetzt etwasausgebremst. Wir waren uns lange nicht sicher, wie wir das Materialveröffentlichen sollen, bis HVOB mit dem total schönen Fink-Remix zu uns kamen,weil sie ein Video dafür brauchten. Erst haben wir mit uns gerungen, weil esmanchmal "unwürdig" ist, Sachen als Musikvideo zu veröffentlichen.Weil es Leute es nicht mehr als Film wahrnehmen. Auf der anderen Seite habenMusikvideos die Chance, ein ganz anderes Publikum zu erreichen.

 

Jakob Carl Sauer: Es ist auf jeden Fall von Vorteil, wenn man solcheInhalte über die Musik transportieren kann. Es ist natürlich auch schwierig,weil man - böse gesagt - das Video nicht mit Musik zuklatschen will. Da einenHybrid aus Gesprochenem und Musik zu finden, ist gar keine so leichte Aufgabe.

 

Wie seid ihr auf das Thema der skatenden Teenager inUganda gestoßen?

Nicola: Wir waren drei Wochen lang für eine Auftragsarbeit dort undhatten daher auch das Equipment dabei. Als das Projekt vorbei war, haben wir dieSkater auf der Straße gesehen. Wir fanden es irre, was die machen und dachtenuns, dass wir mit ihnen drehen müssen. Wir wollten also mit ihnen reden,konnten sie aber nicht einholen, weil der Verkehr dort so chaotisch ist und siesich überall durchschlängeln können. Wenn es bergauf geht hängen sie sich anAutos an und wenn es bergab geht, brausen sie an allen anderen vorbei. Wirsaßen im Auto im Stau und hatten keine Chance, sie einzuholen. Wir haben danneinen Tipp bekommen, dass die Skater manchmal bei einen bestimmten Beach-Clubvorbeikommen. Irgendwann haben wir Glück gehabt und einen dort kennengelernt. Erhat sich mit uns ausgemacht, dass wir uns am nächsten Tag an einem bestimmtenOrt treffen. Wir wussten nicht, ob wirklich jemand kommt. Letztlich kamen 15dieser Skater.

 

Jakob: Wir waren noch dazu ziemlich im Zeitstress. Zwei Tagespäter ging unser Flieger und wir haben das ganze Video innerhalb dieser zweiTage gedreht.

 

Am Anfang des Videos wird erwähnt, dass es in Ugandaverboten ist zu skaten. Geht es da um das Skaten allgemein oder dass sie sichnicht an den Autos festhalten dürfen?

Nicola: Es geht um Streetskating generell. Sie dürfen anbestimmten Orten skaten, aber auf der Straße nicht. Es gab oder gibt vieleProbleme mit Diebstählen, weil sich die Skater besser durch den Verkehrschlängeln können. Also hat die Polizei es pauschal verboten. Die Skater, mitdenen wir zusammengearbeitet haben, haben aber eine Nische gefunden, indem siePromotion-Arbeit für große Firmen machen. Zum Beispiel gibt ihnen einGetränkehersteller ein T-Shirt und sie fahren damit auf der Straße ihreFiguren. Wenn die Polizei dann aufhalten würde, können sie sagen, sie arbeitenfür diese Firma und erhalten dadurch eine Erlaubnis.

 

Also verdienen sie ihren Lebensunterhalt mit skaten?

Nicola: Genau. Skaten ist dort immer noch sehr unbekannt. DieSkates werden auch aus Übersee hergebracht, weil man sie dort nicht kaufenkann. Darum wird es auch so gerne als Promotion verwendet, weil es einHingucker ist.

 

Wie haben die Leute auf der Straße reagiert, als ihrgedreht habt?

Jakob: Es war lustig zu sehen, wie es eine Attraktion fürandere war. Wir haben versucht, die Reaktionen zu filmen, aber das war schonsehr schwierig. Am Schluss haben wir noch versucht, etwas zu stagen, aber dashat es dann nicht in das Video geschafft. Das merkt man sofort, wenn etwasinszeniert worden wäre.

 

Das heißt auch das, was der Protagonist im Video erzähltist nicht gescripted?

Nicola: Nein es ist wirklich durch und durch dokumentarisch. Eswirkt nicht mehr so, weil es jetzt auch ein Musikvideo ist, aber es ist allesecht.

 

Gab es einen Grund, warum in der Skategruppe nur Männerdabei waren?

Nicola: Das Video ist ja recht knapp entstanden und wir haben in der kurzen Zeitleider keine Frau gefunden. Wenn wir weiter daran arbeiten, ist es uns wichtig,auch Frauen zu inkludieren, aber es ist doch Uganda. Das Gesellschaftsmodellist viel klassischer als bei uns. Man muss sich das auch in dem Kontextvorstellen, dass alles, was die Skater machen, ultra ungewöhnlich dort ist. AlsFrau ist das dann noch extra ungewöhnlich. Aber wir wissen mittlerweile voneiner Frau, die auch skatet, mit der wir auch noch drehen möchten.

 

Danke für das Gespräch!

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